Auftragsgewinnung
Teil von Projektabläufe planen: Phasen, Meilensteine und Übergaben für Solo-Selbstständige
Projektabläufe planen mit 6 Schritten für Solo-Selbstständige
Projektabläufe planen mit 6 Schritten: Zielklärung, Arbeitspakete, Zeitplan, Puffer, Werkzeuge und Abnahme, mit Beispielpuffern und Stundensätzen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Sechs Schritte führen von der Zielklärung über Arbeitspakete, Zeitplan und Puffer bis zur Abnahme.
- Pro Arbeitspaket gehören 10 bis 20 Prozent Puffer in den Plan.
- Trello, Asana und Microsoft Project decken Board, Aufgabenliste und Terminplan ab.
- Planungszeit ist bezahlte Leistung, ein Rechenbeispiel mit Stundensatz inklusive MwSt. steht weiter unten.
- Ein einmal geschriebener Ablauf lässt sich im nächsten Auftrag in kurzer Zeit anpassen.
Die sechs Schritte im Überblick
| Schritt | Aufgabe | Ergebnis |
|---|---|---|
| 1 | Ergebnis und Abnahmekriterien festlegen | prüfbarer Auftrag |
| 2 | Arbeitspakete schneiden und Aufwand schätzen | Aufwandsliste |
| 3 | Reihenfolge und Abhängigkeiten bestimmen | Ablaufplan |
| 4 | Zeitplan mit Puffern aufstellen | Terminplan |
| 5 | Werkzeuge einrichten und Arbeit dokumentieren | sichtbarer Stand |
| 6 | Abnahme und Übergabe terminieren | Schlussrechnung |
Solo heißt: Niemand fängt eine fehlende Schätzung auf. Halte deshalb alle sechs Schritte schriftlich fest, bevor du startest. Ein einseitiges Blatt genügt, ein Werkzeug macht den Stand für den Kunden sichtbar. Die Reihenfolge ist nicht beliebig: Ohne Kriterium aus Schritt eins bleibt der Umfang offen, ohne Pakete aus Schritt zwei fehlt jede Grundlage für den Zeitplan.
Ziel, Arbeitspakete und Reihenfolge klären
Schritt eins: Formuliere in einem Satz, was der Kunde am Ende erhält und woran er es prüft. Dieses Kriterium steuert jede spätere Entscheidung über Umfang und Nacharbeit.
Wie daraus ein verkaufbares Angebot wird, beschreibt das Existenzgründungsportal des BMWK.
Schritt zwei: Zerlege das Ergebnis in Pakete von vier bis acht Stunden. Längere Blöcke werden geteilt, sonst verschwindet der Fortschritt im Tagesgeschäft. Schätze mit Erfahrungswerten aus mindestens drei vergleichbaren Aufträgen. Fehlt diese Basis, plane das erste Paket bewusst konservativ und prüfe den Wert nach einer Woche.
Schreibe drei Annahmen auf, auf denen die Schätzung ruht, etwa verfügbare Kundenrückmeldung oder vorliegende Daten. Kippt eine Annahme, wird der Plan angepasst und der Nachtrag mit dem Kunden besprochen.
Schritt drei: Notiere, welches Paket auf welches wartet. Häufigster Blocker im Solo-Projekt ist die fehlende Rückmeldung des Kunden. Hinterlege dafür ein Datum im Plan und erinnere zwei Arbeitstage vorher.
Zeitplan, Puffer und Beispielrechnung
Schritt vier: Plane in Wochen, nicht in Tagen. Akquise, Angebote und Verwaltung laufen parallel und fressen Zeit, die kein Kunde bezahlt.
Trage zuerst die Kundentermine ein, dann die Projektblöcke. So siehst du sofort, welche Woche zu voll ist, und verschiebst früh statt kurz vor der Abnahme. Plane höchstens 70 Prozent der Woche für Projektarbeit ein, der Rest gehört Akquise, Buchhaltung und Weiterbildung.
Rechne pro Arbeitspaket 10 bis 20 Prozent Puffer ein. Bei bekannten Aufgaben genügen 10 Prozent. Bei neuen Aufgaben, unbekannter Technik oder Abhängigkeit vom Kunden sind 20 Prozent realistisch.
Beispielrechnung: Ein Projekt umfasst 60 geplante Arbeitsstunden. Mit 10 Prozent Puffer sind es 66 Stunden, mit 20 Prozent 72 Stunden. Bei einem Stundensatz von 85 Euro inklusive 19 Prozent MwSt. pro Stunde ergibt das 5.610 bis 6.120 Euro für die reine Durchführung.
Kalkuliere die Planung selbst als bezahlte Position: vier bis acht Stunden für den ersten vergleichbaren Auftrag. Zu 85 Euro inklusive MwSt. pro Stunde sind das 340 bis 680 Euro. Vergleichswerte zur Einordnung der eigenen Sätze stehen im Freelancer-Wissen von GULP.
Typische Schwachstellen und Gegenmittel
Vier Fehler kosten im Solo-Projekt die meiste Zeit:
- Der Umfang wächst still mit. Gegenmittel: Jede Zusatzanfrage wird als eigener Nachtrag notiert.
- Der Kunde antwortet spät. Gegenmittel: Fristen mit Datum statt der Angabe zeitnah.
- Ein Puffer für das ganze Projekt. Gegenmittel: Puffer pro Paket, sonst frisst ihn das erste Paket.
- Der Plan wird nach Woche eins nicht gepflegt. Gegenmittel: Freitag, 15 Minuten, Status nachziehen.
Werkzeuge für den Ablauf
Schritt fünf: Wähle ein Werkzeug, das du in 30 Minuten eingerichtet hast. Alles andere kostet mehr Zeit als es spart.
Für ein Board mit Spalten wie Geplant, Läuft, Wartet auf Kunde und Fertig reichen die Kanban-Boards von Trello aus. Für Aufgabenlisten mit Fälligkeiten und Vorlagen eignet sich Asana. Wer mehrere Projekte mit harten Abhängigkeiten steuert, plant mit Microsoft 365 Project.
Vorlagen lohnen sich ab dem zweiten ähnlichen Auftrag. Lege dafür eine Karte oder Aufgabe mit allen Standardpaketen an und kopiere sie.
Zwei Werkzeuge parallel sind einer zu viel. Ein Board für Aufgaben und ein Kalender für Termine reichen im Solo-Betrieb aus.
Abnahme und Übergabe vorbereiten
Schritt sechs: Nenne den Abnahmetermin schon im Angebot und wiederhole die Kriterien aus Schritt eins.
Lege vorher fest, was übergeben wird: Dateien, Zugänge, Rechte, Dokumentation. Ohne diese Liste diskutierst du nach Projektende über Nachträge.
Plane eine Nachbesserungsfrist von fünf Arbeitstagen ein und halte fest, bis wann die Schlussrechnung rausgeht. Danach wandert der Ablauf als Vorlage in die nächste Planung.
Notiere die Abnahme mit Datum und Name im Projektdokument. Das verkürzt die Diskussion, falls ein Nachtrag später strittig wird.
Häufige Fragen
Warum sechs Schritte und nicht mehr?
Sechs Schritte decken Ziel, Pakete, Reihenfolge, Zeit, Werkzeuge und Abnahme ab. Mehr Schritte machen den Plan langsam, weniger lassen den Umfang offen.
Wie viel Puffer ist realistisch?
10 Prozent bei bekannten Aufgaben, 20 Prozent bei neuen oder kundenabhängigen. Der Puffer gehört in jedes Paket, nicht ans Projektende.
Welches Werkzeug reicht für Solo-Projekte?
Trello oder Asana Work Management für Aufgaben, dazu ein Kalender. Microsoft 365 Project lohnt sich erst bei parallelen Projekten mit harten Abhängigkeiten.
Was kostet die Planungszeit?
Vier bis acht Stunden beim ersten vergleichbaren Auftrag. Bei 85 Euro inklusive 19 Prozent MwSt. pro Stunde sind das 340 bis 680 Euro.
Wann ist ein Projekt abgenommen?
Sobald der Kunde die Kriterien aus Schritt eins bestätigt hat. Für den Fall ohne Rückmeldung legst du vorab eine Frist von fünf Arbeitstagen fest.