Auftragsgewinnung

Teil von Projektabläufe planen: Phasen, Meilensteine und Übergaben für Solo-Selbstständige

Wasserfall oder agiles Vorgehen im Vergleich für Freiberufler

Wasserfall, V-Modell XT, PRINCE2 gegen Scrum, Kanban und Extreme Programming: Vergleich für Freiberufler mit Zuschlägen für Änderungen und Abrechnung.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Wasserfall ordnet Arbeit in feste Phasen, agiles Vorgehen in kurze Zyklen mit laufender Rückmeldung.
  • Auf plangetriebener Seite stehen Wasserfall, V-Modell XT und PRINCE2, auf agiler Seite Scrum, Kanban und Extreme Programming.
  • Änderungen laufen im Wasserfall als Nachtrag, im agilen Projekt über den nächsten Zyklus.
  • DIN 69901 und ISO 21500 beschreiben Verfahren, Scrum konkretisiert Rollen und Ereignisse.
  • Zuschläge für Änderungen liegen häufig zwischen 10 und 25 Prozent des Honorars zuzüglich Umsatzsteuer.

Vorgehensmodelle konkret benannt

Wasserfall und V-Modell XT gehören zu den plangetriebenen Modellen. Der Wasserfall reiht Anforderung, Entwurf, Umsetzung, Test und Übergabe hintereinander. Das V-Modell XT ergänzt Prüf- und Abnahmeschritte, die den Auftraggeber früh einbinden. PRINCE2 stammt aus dem britischen Projektmanagement und arbeitet mit Phasen und festen Freigabepunkten.

Auf agiler Seite ist Scrum das bekannteste Rahmenwerk, mit drei Rollen, fünf Ereignissen und drei Artefakten. Kanban verzichtet auf feste Zyklen und begrenzt stattdessen die gleichzeitig laufenden Aufgaben je Arbeitsschritt. Extreme Programming setzt auf Paararbeit, Test-first und häufige Auslieferung kleiner Inkremente.

Für Freiberufler zählt die Passung: Scrum bei Produktentwicklung mit mitarbeitendem Auftraggeber, Kanban bei laufender Wartung, PRINCE2 bei Kunden mit Steuerungsgremium.

Planbarkeit: feste Phasen gegen kurze Zyklen

Wasserfall heißt: Anforderung, Entwurf, Umsetzung, Test und Übergabe laufen nacheinander. Jede Phase endet mit einem Ergebnis, das die folgende Phase voraussetzt. Der Auftraggeber legt den Rahmen zu Beginn fest und prüft am Ende.

Agiles Vorgehen verteilt dieselbe Arbeit auf Zyklen von einer bis vier Wochen. Nach jedem Zyklus steht ein nutzbares Teilergebnis, das der Auftraggeber ansieht und kommentiert. Der Umfang bleibt offen, der Zeitrahmen je Zyklus ist fix.

Beide Muster brauchen eine klare Beschreibung von Ziel, Umfang und Abnahmekriterien. Die Normenreihe DIN 69901 hält dafür Begriffe und Prozesse bereit, wie die Übersicht der DIN-Normenausschüsse zeigt. ISO 21500 ordnet die Verfahren international ein.

Planbarkeit bedeutet Unterschiedliches. Im Wasserfall sind Termine und Kosten früh benennbar, solange die Anforderungen halten. Agil sind Termine je Zyklus sicher, der Gesamtaufwand nicht. Wer einen Festpreis braucht, findet im Wasserfall die bessere Grundlage.

Änderungsaufwand und Dokumentation

Im Wasserfall wird eine Änderung nach der Freigabe zum Nachtrag. Sie durchläuft eine erneute Abstimmung, verschiebt Termine und kann spätere Phasen berühren. Für Freiberufler bedeutet das Schriftverkehr und eine neue Kalkulation.

Agil eingeplante Änderungen kosten weniger Abstimmung, weil der nächste Zyklus sie aufnimmt. Dafür wächst der Aufwand leise: viele kleine Anpassungen summieren sich über Monate. Ohne schriftliche Grenze entsteht eine offene Schleife.

Dokumentation folgt demselben Muster. Wasserfall verlangt Lastenheft, Pflichtenheft und Abnahmeprotokolle. Agiles Arbeiten hält Produktkatalog und Zyklusnotizen fest, ersetzt aber kein Abnahmeprotokoll.

Nach den Regelungen zum Werkvertrag im Handelsrecht schuldet der Unternehmer ein abgenommenes Werk. Die Abnahme gehört deshalb auch im agilen Projekt in Schriftform.

Beispielrechnung: Änderungen in Euro

Für Änderungen lassen sich Zuschläge auf das vereinbarte Honorar kalkulieren. Häufig liegen sie zwischen 10 und 25 Prozent, je nach Eingriff in bereits geleistete und abgenommene Arbeit.

Beispielrechnung, Beträge netto, Umsatzsteuer 19 Prozent:

  1. Ausgangshonorar: 15.000 Euro netto.
  2. Zuschlag 10 Prozent: 1.500 Euro netto, 1.785 Euro brutto.
  3. Zuschlag 25 Prozent: 3.750 Euro netto, 4.462,50 Euro brutto.

Bei einem Tagessatz von 850 Euro netto entspricht der niedrige Zuschlag knapp zwei Arbeitstagen, der hohe etwa viereinhalb. Die Grenze gehört in den Vertrag, sonst bleibt sie Verhandlungssache.

Wer seinen Stundensatz einordnen will, findet beim Statistischen Bundesamt unter Verdienste nach Branchen und Berufen durchschnittliche Bruttoverdienste. Sie betreffen Angestellte, geben aber eine Vergleichsgröße.

Abrechnung: Festpreis gegen Zeitbudget

Wasserfall lässt sich als Festpreis mit Teilzahlungen nach Zwischenabnahmen abrechnen. Der Freiberufler trägt das Risiko steigender Aufwände. Die Rechnung folgt dem vereinbarten Zahlungsplan.

Agile Projekte werden meist nach Zeitaufwand abgerechnet, als monatliches Budget oder festes Zyklushonorar. Dann trägt der Auftraggeber das Risiko offener Anforderungen. Für den Freiberufler ist die Auslastung planbarer, der Gesamtertrag weniger.

Scrum arbeitet mit festen Rollen und Ereignissen, die im Angebot erklärt werden sollten. Sonst fehlt dem Auftraggeber die Vergleichsgrundlage zu Festpreisangeboten. Beide Modelle lassen sich kombinieren: Festpreis für den festen Teil, Zeitbudget für den offenen Rest.

Vertragliche Eckpunkte für beide Vorgehen

  1. Leistungsumfang und Abnahmekriterien schriftlich festhalten.
  2. Zuschlag für Änderungen mit Prozentsatz und Obergrenze vereinbaren.
  3. Zahlungen an Zwischenabnahmen oder Zyklusenden knüpfen.
  4. Dokumentationspflichten je Phase oder Zyklus benennen.
  5. Regeln für Abbruch und Restabrechnung ergänzen.

Häufige Fragen

Wann passt Wasserfall besser?

Wenn Anforderungen stabil sind, ein Festpreis gewünscht ist und die Abnahme am Ende erfolgen kann. Typisch sind Gutachten und Planungen mit behördlichen Vorgaben.

Wann passt agiles Vorgehen besser?

Bei unklaren oder wechselnden Anforderungen, etwa Software, Kampagnen oder Prozessaufbau. Der Auftraggeber muss mitarbeiten und je Zyklus Rückmeldung geben.

Welche Modelle stehen neben Scrum?

Kanban für laufende Aufgaben ohne feste Zyklen, Extreme Programming für Entwicklung mit Paararbeit und Test-first.

Sind Zuschläge von 10 bis 25 Prozent üblich?

Sie sind eine verhandelbare Kalkulationshilfe, keine Norm. Die Höhe hängt von der Tiefe des Eingriffs in bereits abgenommene Ergebnisse ab.

Muss agil dokumentiert werden?

Ja. Produktkatalog, Zyklusnotizen und Abnahmeprotokolle sichern die Abrechnung. Ohne schriftliche Abnahme fehlt die Grundlage nach Werkvertragsrecht.

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