Auftragsgewinnung
Teil von Wer bezahlt die Zeit für Angebote und Akquise im Honorar?
Warum gewinne ich manche Angebote nicht?
Angebote nicht gewinnen: Preis, Referenzen, Timing, Chemie und Formalien als Ablehnungsgründe, Gewinnquoten von 10 bis 50 Prozent und Nachfasskosten.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Verlorene Angebote haben selten nur eine Ursache: Preis, Referenzen, Timing, Chemie und Formalien greifen ineinander.
- Die Gewinnquote liegt je nach Branche und Adressqualität zwischen 10 und 50 Prozent.
- Gründe liefert nur ein Nachfragegespräch, nicht die Vermutung im Nachhinein.
- Nachfassen kostet je Angebot 15 bis 30 Minuten, also rund 27 bis 54 Euro inklusive Umsatzsteuer.
- Geändert wird erst, wenn derselbe Grund mehrfach auftritt.
Fünf Gründe, die den Ausschlag geben
Der Preis steht in fast jeder Absage ganz oben, ist aber selten der einzige Grund. Wer Angebote vergleicht, rechnet Honorar, Reisekosten, Abstimmungsaufwand und Risiko zusammen. Liegt dein Satz über dem Vergleichswert, fehlt dem Auftraggeber vor allem die Begründung für die Differenz.
Referenzen entscheiden dort, wo der Auftraggeber ein ähnliches Projekt schon einmal scheitern sah. Ohne vergleichbare Größe, Branche oder Technik sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Zusage, auch bei passendem Preis. Ein einzelnes Referenzprojekt mit belegbaren Ergebnissen wirkt stärker als eine lange Liste ohne Bezug zur Aufgabe.
Das Timing kippt Angebote, die inhaltlich überzeugen. Ist das Jahresbudget verplant oder wartet die Freigabe auf ein internes Gremium, hilft kein Nachlass. Chemie meint die Passung im Gespräch: Bei gleicher Leistung gewinnt häufig, wer Ton und Tempo des Gegenübers trifft.
Formalien erzeugen die stillen Ablehnungen. Falscher Ansprechpartner, fehlende Positionsnummern, unklare Laufzeiten oder ein Angebot ohne Datum führen zu Rückfragen und kosten Vertrauen. Prüfe deshalb vor dem Versand, ob Empfänger, Frist und Leistungsumfang eindeutig benannt sind.
| Ablehnungsgrund | Typisches Signal | Naheliegende Maßnahme |
|---|---|---|
| Preis | günstigeres Vergleichsangebot | Leistungsumfang belegen |
| Referenzen | vergleichbares Projekt fehlt | Referenz aufbauen |
| Timing | Budget verplant | Kontaktzyklus verschieben |
| Chemie | Gespräch bleibt distanziert | Ansprechpartner klären |
| Formalien | Rückfragen zum Aufbau | Vorlage überarbeiten |
Nachfragegespräch in fünf Schritten
Ein Nachfragegespräch dauert wenige Minuten und liefert mehr als jede Selbsteinschätzung. Führe es so:
- Bedanke dich für die Rückmeldung und nenne den Anlass in einem Satz.
- Frage, ob das Angebot die Aufgabe inhaltlich getroffen hat.
- Frage offen nach dem ausschlaggebenden Grund, ohne eine Antwort vorzugeben.
- Notiere die Antwort und ordne sie genau einer Kategorie zu.
- Kläre, ob ein späterer Kontakt erwünscht ist.
Notiere das Gesprächsergebnis direkt in deiner Übersicht. Nur so wird aus einem Einzelfall ein Muster, das du auswerten kannst.
Gewinnquote und Nachfassaufwand beziffern
Eine Gewinnquote von 10 bis 50 Prozent gilt in vielen Feldern als normale Spanne. Der Unterschied zwischen beiden Enden entsteht weniger durch die Formulierung als durch die Adressqualität. Angebote an bestehende Kontakte gehen häufiger durch als Angebote an einen kalten Verteiler.
Beratungsverbände wie der BDU veröffentlichen in ihren Branchenstudien Erfahrungswerte zu Auslastung und Tagessätzen, die sich als Vergleichsmaßstab für die eigene Quote nutzen lassen.
Für IT-Freelancer dokumentiert GULP Honorar- und Angebotspraxis in seinem Wissen für Freelancer.
Bei Form-, Frist- und Rechtsfragen bietet die IHK-Beratung Unterstützung. Die IHKs bündeln unter dem Dach des DIHK Praxiswissen für Gewerbetreibende und Unternehmer, etwa in der Reihe KI im Klartext.
Nachfassen kostet Zeit, und diese Zeit lässt sich beziffern. Rechne mit 15 bis 30 Minuten je Angebot, verteilt auf Anruf, Mail und Dokumentation.
Rechenbeispiel: Kosten des Nachfassens
Bei einem angenommenen Stundensatz von 90 Euro netto entfallen auf 15 Minuten 22,50 Euro netto und auf 30 Minuten 45,00 Euro netto. Mit 19 Prozent Umsatzsteuer sind das 26,78 Euro bis 53,55 Euro je Angebot.
Wer 20 Angebote im Monat nachverfolgt, kommt auf 535,60 Euro bis 1.071,00 Euro inklusive Umsatzsteuer. Das ist eine Beispielrechnung mit angenommenem Satz, dein eigener Satz verändert das Ergebnis.
Muster erkennen statt Einzelfälle deuten
Die Nachfrage nach IT-Leistungen hängt an den Investitionsbudgets der Unternehmen, die der Bitkom in seinen Marktzahlen zu IT- und Telekommunikationsmärkten erhebt. Solche Zyklen erklären, warum sich Absagen zeitweise häufen, ohne dass dein Angebot schlechter geworden ist.
Sieh dir deine Übersicht deshalb in festen Abständen an, nicht nach jedem verlorenen Angebot. Zähle, welche Kategorie wie oft auftritt, und ändere pro Muster nur eine Sache. Sonst bleibt offen, welche Anpassung gewirkt hat. Bleibt ein Angebot trotz zweier Nachfassdaten unbeantwortet, schließt du es als offen und nicht als gewonnen.
Häufige Fragen
Wie viele verlorene Angebote muss ich auswerten?
Eine belastbare Mindestzahl gibt es nicht. Warte, bis ein Grund mehrfach auftritt, bevor du Vorlage, Preis oder Ansprache änderst.
Darf ich nach einer Ablehnung nachfragen?
Ja. Frage nach dem ausschlaggebenden Grund und ordne die Antwort einer Kategorie zu. Das verbessert deine Einschätzung der Klientel.
Wann lohnt eine Software für die Angebotsübersicht?
Wenn Tabelle und Nachfassdaten unübersichtlich werden. Vorher genügt eine Liste mit Versanddatum, Nachfassdatum, Status und Kategorie.
Was mache ich, wenn der Preis der häufigste Grund ist?
Prüfe zuerst, ob der Leistungsumfang im Angebot klar belegt ist. Danach stellt sich die Frage, ob dein Stundensatz zur Klientel passt.